Napoleonstein

Napoleonstein

 

Es gibt viele Napoleonsteine in Deutschland, die Bezeichnung trifft für Gedenksteine, Felsblöcke, aber auch Erhebungen zu.

Der Langenhennersdorfer Napoleonstein, insgesamt über 400 m hoch, liegt an einer Sandsteinstufe 100 m oberhalb das Dorfes. Es war überliefert, daß Napoleon oder einer seiner Feldherren  von hier aus die napoleonischen Truppen beobachtet haben soll. Er sah sich von hier oben noch als Herrscher über Europa und merkte nicht, daß sein Stern, seine hochfliegenden Pläne, eigendlich schon am untergehen waren. Einen Beweis dafür hatten wir lange Zeit nicht, aber nun ist es geschichtlich verbürgt, dass sich Napoleon am 15.9.1813 auf dieser Kanzel aufgehalten hat, um das Vorrücken seiner Truppen nach Böhmen über Hellendorf – Peterswald - Kulm zu leiten.

Nachzulesen ist dies im Buch: "Die Befreiungskriege 1813-1815- in Augenzeugenberichten" von Eckart Kleßmann. Hier erzählt der damalige Besitzer de Rittergutes, Christian Gotthelf Zeis, von einer besonderen Begegnung. Er war mit seiner Familie geflohen vor den Franzosen und Russen, die sein Gut völlig geplündert und zerstört hatten, auf die Festung Königstein. Am 15.09.1813 wollte er gerettete Fourage und Vieh aus seinem Gut holen und befand sich auf dem Weg dahin auf einmal mitten in einem großen französischen Truppenteil wieder, die auf der Spitze des Berges oberhalb vom Ort standen und er blieb keine 20 Schritten vor Napoleon stehen. Dort wies er sich als Besitzer der Ländereien aus, zeigte seinen Pass und der französische Kaiser gab Order, diesen zu unterzeichnen. Napoleon selbst genoß in dieser Zeit auf einem großen Feldstein sitzend ein Butterbrot und trank einen Likör dazu. Der vom Napoleon unterzeichnete Paß half Zeis auf dem Rückweg, sodaß er mit seinem Transport wieder glücklich dort zurück kehren konnte.
(Gefunden wurde dies im "Tagebuch des Amtmanns Zeis " in den Zeiß- Blättern, Bad Schwartau, 15.02.1963)

Der Heimatverein nahm Verbindung zur Zeisfamilie auf, es kam zu einem Treff mit Nachfahren des Bruders von Gotthelf Zeis. Gotthelf Zeis seine Tochter ging nach Frankreich, ihre Nachkommenschaft ist heute zahlreicher als alle deutschen Linien des Stammes Zeis.

Nicht verbürgt ist folgende Geschichte:

Die gegnerischen russischen Truppen hatten schon lange den Plan gefasst, Napoleon direkt auszuschalten. Nach dem Kriegsrecht dürfen nur silberne oder goldene Kugeln einen König oder Kaiser töten.
So goss man eine silberne Kugel und brachte ein Geschütz auf den 7100 m entfernten Zeisigstein in Stellung.
Als Napoleon auf der oben beschriebenen Kanzel erschien, gab der Geschützführer die Richtungsangabe von 10,2° an den Richtmeister weiter. Nun hatte dieser am Vorabend zuviel Wodka getrunken und konnte auf seinem Richtkreis gerade einmal die große 10 erkennen.
So ging der Schuß daneben. Der Einschlagpunkt liegt genau 7144 m vom Zeisigstein entfernt.
Man sieht wieder mal, dass große Geschichte oft von kleinen Zufällen bestimmt wird.

Ihr glaubt die Geschichte nicht!? Nun es ist schon etwas Moos über die Sache gewachsen.
Aber die silberne Kugel befindet sich immer noch an der Stelle, wo sie vor fast 200 Jahren einschlug.

Im Frühjahr 1936 wurde das Gebiet des Napoleonsteines, östlich von Langenhennersdorf gelegen, vom Gebirgsverein Schweizermühle und Umgebung, für die Öffendlichkeit zugängig gemacht.

Der Aussichtspunkt, eine von der Natur geschaffene kanzelförmige Felswand, wurde mit einem Geländer versehen und es wurde einen Bank aufgestellt. Erneuert wurde das Geländer 1963 von Martin Petzold, einem unserer Schmiede aus dem Ort  und die Firma Bernhard brachte es hoch an den Felsen.

1999 wurde vom Chronisten Herrn Hering aus Bielatal eine Infotafel angefertigt und angebracht, diese war aber kurze Zeit danach schon wieder verschwunden. (Bild: alte, verschwundene Tafel)

Geblieben ist der einmalige Fernblick in die umliegenden Täler des Bielatals, des Gottleubatals, dem Osterzgebirge bis ins Böhmische.

Inzwischen wurde eine neue Hinweistafel angebracht.

Im September wurde bemerkt, dass von der Hinweistafel das Bild mit den Napoleonischen Soldaten entwendet worden war. Von Herrn Hering aus Bialatal wurde Ersatz geliefert und das Bild konnte somít erneuert werden, leider war der Untergrund in der Zwischenzeit mit Farbe übersprüht worden.

Von der Gemeinde war auf Wunsch eine neue Bank geliefert worden, da die alte beschmiert und kaputt war. Die neue Bank wurde vom Heimatverein gestrichen, im selben Zuge erhielt das Geländer auch einen neuen Farbanstrich.

 

Napoleonstein

Bilder vom Napoleonstein





 

Die Galerie beinhaltet insgesamt 4 Bilder.

Fotos: Steve Schumann